WAS KANN DER IRAN TUN?
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Im Jahr 2022 veröffentlichten wir eine zweiteilige Serie zum Russland-Ukraine-Krieg, die Licht auf die strategischen, politischen, diplomatischen und wirtschaftlichen Optionen warf, die beide Nationen zu diesem Zeitpunkt im Konflikt hatten. Das Besondere daran ist, dass wir in dem jeweiligen Artikel die Perspektive einer Seite einnahmen und ihre Strategie ausschließlich aus ihrer Perspektive bewerteten, informiert durch ihre Interessen. Heute beleben wir dieses Format wieder, indem wir die Perspektive verschiedener Akteure in diesem vielschichtigen Krieg zwischen Israel, den Vereinigten Staaten von Amerika (im Folgenden: USA) und dem Iran einnehmen. Dieses Mal präsentieren wir Ihnen eine fünfteilige Serie in den kommenden Wochen, in der wir die Position jeder bedeutenden Partei im jüngsten Krieg zwischen den genannten Parteien einnehmen werden. Beginnend mit dem Iran in diesem Artikel, fahren wir in den folgenden Arbeiten mit Israel, den USA, der Türkei und Arabien fort.
Der Wert und Zweck dieser Serie besteht darin, unsere Unparteilichkeit, Flexibilität, Fachkompetenz und die strategische Stärke unseres analytischen Rahmens zu demonstrieren. Üblicherweise ist die Arbeit im politischen Bereich auf kognitive und konzeptionelle Rahmen von Ideologien und Interessen beschränkt. Mit dieser Serie unterstreichen wir, dass Politik aus einem technischen Blickwinkel betrachtet werden kann und sollte, um sicherzustellen, dass erarbeitete Maßnahmen wirklich funktionale und nachhaltige Lösungen widerspiegeln. Daraus folgt, dass wir nicht grundsätzlich die Positionen der Parteien übernehmen, sondern lediglich ihre Perspektive für Zwecke unserer strategischen Analyse einnehmen. Diese Serie darf daher nicht als eine Positionierung unsererseits gelesen werden.
Irans Ziele Und Interessen In Diesem Krieg
Obwohl der Iran auf die Aggression Israels und der USA mit Angriffen auf Nachbarländer reagiert hat, führt er seinem Wesen nach einen Verteidigungskrieg. Seit der Islamischen Revolution 1979 hat sich der Iran nicht in grenzüberschreitende Interventionen in anderen Ländern eingemischt, obwohl er in der Vergangenheit aus außenpolitischen und Verteidigungsgründen militant Gruppen in anderen Ländern unterstützt hat. Darüber hinaus hat die persische Nation weder aggressive Haltungen an den Tag gelegt noch territoriale Ansprüche außerhalb ihrer Grenzen geltend gemacht. Folglich wird der geführte Krieg als Verteidigungskrieg eingeordnet. Allerdings hat der Iran aufgrund vergangener Aggressionen 2025 und jahrzehntelanger wirtschaftlicher Kriegsführung sowie diplomatischen Drucks und Isolation seit mehr als 40 Jahren ein starkes Interesse daran entwickelt, das antagonistische Verhalten Israels und der USA zu beenden.
Irans Bruttoinlandsprodukt hat zwischen 2012 und 2021 massive Einbußen erlitten, bedingt durch intensive internationale Sanktionen, die zu einer Verschlechterung der öffentlichen Unterstützung für das politische System geführt haben. In dieser Zeit hat der Iran einen großen Teil seines Entwicklungspotenzials verloren. Daher könnte ein prolongierter Konflikt, mit oder ohne militärische Maßnahmen, langfristig zu politischem oder gesellschaftlichem Scheitern führen. Dieser Krieg könnte dem Iran die Möglichkeit eröffnen, Feindseligkeiten durch einen dominanten Sieg gegen die Aggressoren beizulegen. Dies würde zeigen, dass ein Krieg gegen den Iran mehr Nachteile als wahrgenommene Vorteile mit sich bringt. Sicherlich wird der Iran nicht der Illusion erliegen, dass friedliche Beziehungen durch einen Sieg entstehen könnten, aber das Ziel ist vielmehr, eine neutrale Koexistenz zu erreichen, die mit einer Reintegration des Iran in die internationale Staatengemeinschaft einhergeht.
Irans Strategie Zur Erreichung Seiner Ziele
Militärische Strategie
Derzeit verlässt sich der Iran hauptsächlich auf Raketenangriffsanschläge auf Israel, um einen Sieg ohne Bodentruppen zu erzielen. Da die USA auch in diesen Krieg verwickelt sind, umfasst die Militärstrategie auch Bodenraketenangriffsanschläge auf Militärbasen der USA in benachbarten Ländern wie dem Irak, Kuwait, Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien. Diese Strategie trägt dazu bei, Israel zu demoralisieren und die mittelfristigen bis langfristigen Kapazitäten der USA in diesem Krieg zu schwächen. Da die USA weit entfernt sind, müssen sie eine komplexe Lieferkette aufbauen, um den Krieg zu versorgen, wenn er länger als zwei Monate andauert. Eine solche Lieferkette wird schnell die wirtschaftlichen Mittel der USA aufzehren, die bereits eine hohe Staatsschuldenlast tragen, was die öffentliche Unterstützung für die Regierung belastet. Die Frage ist, ob der Iran die Militärkapazitäten beider Gegner übertrumpfen kann, um lange genug zu überleben, bevor die USA einen signifikanten Rückgang ihrer Angriffskapazität zeigen.
Da wir keine detaillierten Informationen über Irans Arsenal, Produktionsinfrastruktur und internationale Lieferketten haben, vertreten wir die „Worst-Case"-Position. Dies ist eine Methode, bei der wir die Situation aus dem schlimmstmöglichen Szenario analysieren – nämlich dass Irans derzeitige Militärkapazität nicht ausreicht, um den Krieg länger als zwei Monate zu verlängern. In diesem Fall wäre die direkte Beteiligung der Marine- und Luftstreitkräfte der nächste Schritt für den Iran, um den Druck auf Israel und die USA aufrechtzuerhalten. Im Idealfall werden diese Streitkräfte aktiviert, bevor der Bestand an Bodengestützten Raketen aufgebraucht ist. Auf diese Weise können die Raketenangiffe um 25 % reduziert werden, um den Bestand durch laufende Produktion zu halten, während die Lücke durch die Aktivierung von Marine- und Luftstreitkräften geschlossen wird.
Während Marinestreitkräfte sich in erster Linie mit der vollständigen Zerstörung aller Militärstützpunkte der Nordamerikaner in den Nachbarländern befassen würden, würden die Luftstreitkräfte sich primär auf strategische Infrastruktur in Israel konzentrieren. Selbstverständlich handelt es sich hierbei nicht um sich gegenseitig ausschließende Einsätze; beide Streitkräfte können auch teilweise in jedem der anderen Szenarien involviert sein. Die damit verbundenen Risiken bestehen darin, dass die iranische Luftwaffe bei der Ausrichtung auf Ballungsräume schnell wichtige Feuerkraft verlieren könnte, da die Luftwaffe das Abwehrsystem Israels wahrscheinlich nicht vollständig überstehen würde. Andererseits sollte die Marine eine direkte Konfrontation mit der nordamerikanischen Flotte nicht sofort anstreben. Erst wenn die Versorgungskette der Nordamerikaner auf einen Punkt reduziert wurde, an dem jeder Angriff der Flotte eine absolute Verringerung der Militärmacht bedeuten würde, kann diese Strategie angewendet werden.
Im breiteren militärischen Kontext kann der Iran Militäroperationen in großem Maßstab so lange fortsetzen, wie es keine Signale von seinen Gegenparteien gibt, die einen Waffenstillstand anstreben. Obwohl es im persischen Kulturkontext ungeeignet ist, dies zu tun, sollte der Iran vorsichtig sein, wenn Israel und die USA anfängliche Waffenstillstände anbieten, um solche Angebote nicht vollständig zu erfüllen. Aufgrund des bisherigen diplomatischen Verhaltens Israels gibt es eine sehr schwache Vertrauensbasis, da solche Angebote ausgenutzt werden könnten, um Kräfte für Gegenoffensiven zu sammeln.
Diplomatische Und Politische Strategie
Aufgrund von Israels Kampagne gegen Palästina in den letzten Jahren verschiebt sich die diplomatische Atmosphäre in der internationalen Staatengemeinschaft zunehmend gegen Israel, was Tür und Tor für günstigere Haltungen gegenüber dem Iran öffnet. Dies ist nicht direkt auf Sympathie für die persische Nation zurückzuführen, da ihr politisches System in vielen Staaten der Welt kritisch bewertet wird, sondern vielmehr darauf, dass die von Israel seit 1996 aufgebaute Erzählung gegen den Iran rapide an Glaubwürdigkeit verliert. Der Iran könnte daher die gegenwärtige diplomatische Atmosphäre nutzen, um die Beziehungen zu vielen Nationen zu normalisieren und möglicherweise sogar wirtschaftliche oder rhetorische Unterstützung zu sichern.
Da sein Politisches System, unabhängig von ausländischen Bezeichnungen, von vielen Nationen nicht unterstützt wird und es seit vielen Jahrzehnten diplomatisch isoliert ist, gibt es keine Nationen, die ein direktes Interesse an einem iranischen Sieg haben. Russland und China haben indirekte Interessen an einem solchen Sieg, da ein persischer Sieg zu einem relativen Machtverlust Israels und der USA führen würde, während gleichzeitig der Frieden in der Region für eine bestimmte Zeit gesichert und der kontinuierliche Zugang zu wichtigen Ölressourcen gewährleistet würde. Diese Faktoren sind jedoch nicht stark genug, um sie zu einer direkten Beteiligung am Krieg zu bewegen. Da Russland derzeit in einen anderen belastenden Krieg mit der Ukraine verwickelt ist, verfügt es nicht über die Ressourcen, um den Iran sinnvoll zu unterstützen, selbst wenn es wollte.
Beziehungen Zur Türkei
Das Land mit den greifbarsten Interessen an Irans Sieg ist die Türkei, wo etwa 30 Millionen Türken leben. Darüber hinaus haben israelische Politiker die Türkei häufig als wichtiges militärisches Ziel erwähnt. Da Israel derzeit in Kriege mit dem Libanon, dem Iran und Palästina verwickelt ist, würde eine weitere Front in der Türkei zu Israels Vernichtung führen; die Türkei würde erst nach einer erfolgreichen Iran-Kampagne zum Ziel. Sollte sich der Iran jedoch erfolgreich verteidigen, wäre eine Militärkampagne gegen die Türkei für Israel lange Zeit nicht machbar. Daher könnte der Iran türkische Beziehungen priorisieren, um zumindest immaterielle Unterstützung zu sichern.
Arabische Beziehungen
Andererseits könnte die persische Nation auch ihre Bemühungen um öffentliche Diplomatie in Arabien intensivieren. Historisch gesehen unterhalten die sunnitischen muslimischen arabischen Nationen kalte Beziehungen zum schiitischen muslimischen Iran. Jedoch flammt der historische Zorn über ausländische Einmischung in arabischen Ländern durch Europäer und Neo-Europäer in den von Iran angestrebten arabischen Nationen zunehmend auf. Anstelle von Unzufriedenheit mit dem Iran machen die arabischen Bevölkerungen, deren Länder direkt von US-Basen angegriffen wurden, die USA für die iranische Aggression verantwortlich. Obwohl die Regierungen dieser arabischen Nationen derzeit ihrem nordamerikanischen Verbündeten treu bleiben, wird die Bevölkerung zunehmend unzufrieden mit der Situation, ihren Regierungen und den Nordamerikanern. Der Iran könnte diese Situation nutzen, um unter Arabern öffentliche Unzufriedenheit zu schüren und Unterstützung für ihre Verteidigungssache zu gewinnen. Sollte ein arabischer Verbündeter der USA abfallen, werden andere schnell folgen, was das Kräfteverhältnis in diesem Krieg verschiebt und die USA ohne geografischen Vorteil hinterlässt. Darüber hinaus würde Israel dann unter zunehmenden Druck geraten, da sich die Unzufriedenheit schnell von innenpolitischen Unruhen zu internationalen Maßnahmen ausweiten könnte, was einen weiteren Hebel für den Iran darstellen würde.
Wirtschaftsstrategie
Schließlich muss der Iran seine wirtschaftliche Position stärken. Nach Jahren der Isolation sind die Mittel, um fortgesetzte Aggression zu ertragen, begrenzt. Einer der ersten Schritte zur Ausübung internationalen Drucks war die Sperrung der Straße von Hormuz, die 11,2 % des weltweiten maritimen Ölhandels ausmacht. Derzeit verhandelt die persische Nation mit China über die freie Passage chinesischer Kriegsschiffe durch die Straße von Hormuz, um die Ölversorgung Chinas fortzusetzen, da persisches Öl 11 % der jährlichen Ölimporte Chinas ausmacht. Wenn der Iran diesen strategischen Vorteil nutzen kann, um Zugang zu mehr chinesischer Kriegstechnologie und Versorgungsgütern zu erhalten, könnte er eine längere Belagerung durch seine Angreifer durchhalten. Wie wir oben jedoch bewertet haben, hat China kein direktes Interesse an einer Beteiligung am Krieg. Darüber hinaus muss es ein heikles Gleichgewicht wahren, um keine diplomatischen und wirtschaftlichen Sanktionen durch Europa und Nordamerika hervorzurufen. Daher könnte der Iran seinen strategischen Vorteil alternativ auch nutzen, um finanzielle Hilfe von China zu erhalten.
Andererseits könnten die gelockerten diplomatischen Bedingungen genutzt werden, um wieder Zugang zu globalen Finanzmärkten zu erlangen, besonders im Hinblick auf Staatsschulden. Nationen sind derzeit weniger geneigt, die einseitig von den USA gegen den Iran verhängten Sanktionen zu befolgen, und eine künftige Bestrafung gewährter Schulden ist aufgrund der Turbulenzen des aktuellen Krieges weniger wahrscheinlich. Daher könnte der Iran ausländische Finanzierung anstreben, um seine Verteidigungsfähigkeit aufrechtzuerhalten sowie den normalen Wirtschaftsbetrieb im Inland zu sichern.
Gesellschaftliche Strategie
In Kriegszeiten rückt jede Nation näher zusammen, besonders wenn es um Verteidigung geht. Nach den tödlichen Protesten im Iran zu Beginn des Jahres 2026 könnte dieser Krieg genutzt werden, um die persische Identität im Iran zu stärken und eine stärkere gesellschaftliche Kohäsion für die Friedenszeiten nach dem Krieg zu schaffen. Dies wird durch die Todesfälle hochrangiger politischer Persönlichkeiten unterstützt, wie etwa der des langjährigen Obersten Führers des Iran, Ali Hosseini Khamenei. Da die Regierung jedoch derzeit stark von gesellschaftlicher Kohäsion abhängig ist, wird sie notwendigerweise auch Zugeständnisse an die iranische Öffentlichkeit machen müssen, die entlang ideologischer und religiöser sowie ethnischer Linien gespalten ist. Sicherlich können und werden die Menschen zusammenkommen, um sich enger unter der persischen Flagge zu vereinigen. Da es jedoch erhebliche Unzufriedenheit mit dem theokratischen Politiksystem gibt, kann die Regierung die islamische Infrastruktur lockern, um zu signalisieren, dass nationale Kohäsion wichtiger ist als religiöse Kohäsion.
Dies würde die iranische Gesellschaft stärken, da die Menschen eher bereit wären, ihren Groll gegenüber der Theokratie beiseitezulegen und anzuerkennen, dass sie gehört wurden. Die Regierung würde sich eine kohärentere Unterstützung sichern, die angesichts der Ziele des Iran notwendig ist. Allerdings würden Zugeständnisse zur Erleichterung der Anwendung theokratischer Politikgestaltung das politische System nicht insgesamt gefährden. Vielmehr würde es eine Umwandlung auslösen, im Gegensatz zu einer Revolution, deren Gefahr über dem Iran schwebt, seit es 1979 zum Übergang zu einem theokratischen Politiksystem kam. In technischer Hinsicht würde ein solcher Übergang zu einem flexibleren Politiksystem dem Iran langfristig zugute kommen.
Abschließende Bemerkungen
Obwohl wir die Situation in erforderlicher Tiefe untersucht haben, betonen wir, dass Iran auf mikroskopischeren Ebenen der Politikgestaltung noch viele weitere Politikoptionen zur Verfügung stehen. Diese Optionen fallen jedoch eher in die Kategorie der Taktik, im Gegensatz zur Strategie, die den Schwerpunkt dieser Arbeit bildet. Darüber hinaus muss betont werden, dass wir dieses Thema aus einer Perspektive begrenzter Informationsressourcen untersuchen. Basierend auf den verfügbaren Informationen kommen wir zu dem Ergebnis, dass die oben dargestellte Strategie es dem Iran ermöglichen würde, seine Ziele zu erreichen. Es ist auch sehr wichtig, die Grenzen politischer Akteure zu berücksichtigen. Diese können in Bezug auf Ressourcen, Normativität oder Struktur bestehen. Daher sollten die obigen Bewertungen auch im Lichte dieser realen Zwänge der genannten Akteure gelesen werden.
In unserem nächsten Artikel dieser Serie betrachten wir den zweiten Akteur dieses Krieges: Israel. Auch hier werden wir die Perspektive dieses Akteurs einnehmen und seine Interessen analysieren. Im Verlauf der Serie werden wir sehen, dass sich die Interessen der verschiedenen Akteure an einigen Punkten unterscheiden, aber auch überschneiden, was ein vollständiges Bild des Krieges ergibt.
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